Wanderungen

Die letzten beiden Tage verbrachten wir damit, die Schönheiten dieses Nationalparks zu entdecken. Wow, ich hoffe bloss, dass meine Kamera die unbeschreibliche Anmut der Natur einzufangen vermag. Sogar Peggy hatte es für eine Minute die Sprache verschlagen. Ebenfalls hat sie ihre Ambitionen Matt zu erobern immer noch nicht aufgegeben. Wir übrigen haben deswegen begonnen, Wetten abzuschliessen.

Chris nahm sich meine Ratschläge zu herzen und begann Monique wie eine Erwachsene zu behandeln. Er widersprach ihr immer öfters und liess sich ihre Macken nicht mehr alle gefallen. Dies hatte zur Folge, dass Monique vorgestern den ganzen Tag mit Schmollen zubrachte und uns auf die Wanderungen nicht begleitete. Als sie den Zickenterror in den Abend hinein verlängerte, hielt Chris ihr eine Standpauke, welche sie tränenüberströmt davon rennen liess. Chris meinte bloss zu den umherstehenden, dass sie sich schon wieder beruhigen würde, sie müsse sich schliesslich daran gewöhnen, dass nun ein neuer Wind in ihrer Beziehung blies. Anschliessend gesellte er sich zu mir und half beim Abwasch. Schliesslich lag es an ihm, dass meine Partnerin weg war. Vom ganzen Streit hatte ich nicht viel mitbekommen. Ich war immer noch damit beschäftigt, mich über Matts Kochstil zu ärgern. Am Abend zuvor hatte er schon sämtlich mitgeführtes Geschirr gebraucht und nun schon wieder. Also wenn er morgen Abend nochmals kochen würde, trat ich in den Streik.

So standen Chris und ich um unsere improvisierte Küche, jeder hing seinen Gedanken nach ohne gross etwas zu sagen. Trotzdem funktionierte unser 'Team' reibungslos, arbeiteten Hand in Hand.

Keiner von uns registrierte die sechs Augen, welche auf uns ruhten. Nach getaner Arbeit begab sich Chris auf die Suche nach Monique, da es ihn nun doch beunruhigte, so lange nichts mehr von ihr gehört oder gesehen zu haben. Ich hingegen schnappte mir eine Tasse Kaffee, den Diskman und mein Tagebuch, suchte mir ein ruhiges Plätzchen und schrieb ein Resumé über das Geschehene der letzten Tage.

Nach dieser Auszeit begab ich mich zum Zelt. Überrascht stellte ich fest, dass Jo bereits dort war. "Hey Süsse, schon im Bett?" "Hm." "Ist etwas?" "Hm." "Du siehst aus als ob du mir etwas sagen möchtest", hakte ich nach. "Hm", Jo schüttelte den Kopf. "Hattest du Streit mit Jack?" "Nein." "Oh, ein ganzes Wort, wow!" Ich lächelte Josephine herausfordernd an, "kannst du noch andere?" "Ja, zum Beispiel diese: Gute Nacht!" Das war eine klare Aussage. "Ist ja gut, hab den Hinweis verstanden, kein Grund grantig zu werden", grummelte ich zurück und bereitete mich ebenfalls für ins Bett gehen vor. Vielleicht würde sie mir ja morgen sagen, was los war.

Am vierten Tag mussten wir früh aufstehen, da es galt einen Berg zu besteigen, welcher uns einen atemberaubenden Blick schenken sollte. So begaben wir uns alle um vier Uhr in der früh, ja diesmal inklusive Monique, an die Besteigung. Eineinhalb Stunden später, total verschwitzt aber doch stolz auf das Erreichte, genossen wir die Aussicht. Auf der einen Seite blickte uns die aufsteigende Sonne entgegen. Ein um die Wette strahlend blaues Meer funkelte uns auf einer anderen Seite entgegen und der Regewald rings um uns erwachte soeben und entsendete seine Grüsse. Wir wurden für unser Frühaufstehen und die Kletterei voll belohnt. Erfurchtsvoll standen wir dort und genossen das sich uns bietende. Nachdem wir uns an der Aussicht satt gesehen hatten, wagten wir uns an den Abstieg. Erstaunlicherweise leistete Jack mir Gesellschaft. Ihm gegenüber immer noch mistrauisch so nahm ich doch meine Chance wahr nachzufragen, was zwischen meiner Freundin und ihm vorgefallen war, da sich die beiden offensichtlich aus dem Weg gingen. "Hey, was hast du mit Jo gemacht?" Misstrauisch schaute er mich an. Aha, anscheinend beruht das auf Gegenseitigkeit. "Wieso?" "Na weil sie gestern Abend schon im Zelt und total wortkarg war." "Wieso sind immer wir Männer Schuld daran, wenn eine Frau schlechte Laune hat?" nun grinste Jack mich an. Wow, er sollte öfters lächeln. "Na, weil es in 99,9% der Fälle so ist", erwiderte ich keck. "Und wann trifft das 0,01te Prozent zu?" "Na ist doch klar, Jack, dann wenn sie Kinder kriegen. Und da das bei ihr nicht der Fall ist...", besser wisserisch guckte ich ihn an. "Aha", war alles was er darauf erwiderte. "Hey, Sunny, Jack, beeilt euch und trödelt nicht so rum, will euch schliesslich nicht verlieren!" Matt gesellte sich zu uns. "Wir sind nicht am trödeln, Sunny versucht gerade, mir die Psyche einer Frau zu erklären", meinte Jack ironisch. "Oh, das tönt ja höchstinteressant!" Chris liess sich nun ebenfalls zu uns zurückfallen. Plötzlich waren auch die restlichen Tour Mitglieder bei uns und wir führten eine lustige Diskussionsrunde über Männer und Frauen.

Zurück im Camp schlug Matt vor, heute schon zu unserem nächsten Ziel vorzustossen, da es hier nicht mehr wirklich viel zu sehen gab, was von uns nicht schon erkundet wurde. Dies würde uns Morgen etwas Extrazeit zur Verfügung stellen. Ausserdem käme Jack so schneller zu seinem Ziel. "Super, klingt toll!" Peggy war sofort Feuer und Flamme, wie für alles, was Matt in den Mund nahm. Gesagt getan und wir brachen unsere Zelte ab und begannen, den Van zu beladen. Jo kam zu mir. "Na, freust du dich auf die speeedige Fahrt?" "He?" verdutzt schaute ich sie an. Wieso betonte sie das Wort speed so? "Na Ladies, kann man euch noch irgendwie helfen?" Jack gesellte sich zu uns. "Nö, wir sind ein hoffnungsloser Fall", erwiderte ich. Jo's Augen begannen zu leuchten. "Nein, alles klar", antwortete sie schnell. Und jetzt einen schuldbewussten Gesichtsausdruck? Irgendwie schien ich in der Beziehung der beiden so einiges zu verpassen. "Wow, ihr zwei redet ja wieder miteinander!" stellte ich glücklich fest. Die gäben so ein süsses Pärchen ab! "Klar, wieso? Wir haben nie aufgehört miteinander zu reden. Wie kommst du jetzt darauf?" Jo guckte mich erstaunt an. "Ja, sag mal, wie kommst du bloss auf diese absurde Idee?" hakte Jack nach. "Hey, hallo, zwei gegen einen ist unfair." Mit diesen Worten liess ich die beiden stehen.

"Ahnt sie etwas?" "Nein, nicht dass ich wüsste, habe schliesslich nichts gesagt. Das habe ich dir versprochen." Zwei weitere Personen begaben sich zum Van.

"Hey, ich will hier vorne nicht ganz alleine sitzen." Matt blickte mich wie ein Hundewelpen an. Suchend blickte ich mich nach Peggy um. "Die ist schon im Van." "Wie bitte?" "Peggy ist schon im Van." Jetzt erblickte ich sie. Sie sass wie bereits von Matt gesagt im Van, zusammen mit Monique und das auf meiner Rückbank. Was fällt den beiden ein!?

"Hey Sweety, nicht träumen, einsteigen." Erst jetzt realisierte ich, dass Matt mir die ganze Zeit über die Beifahrertür offen hielt. Rasch stieg ich ein. Mann, war mir das jetzt peinlich, vor allem weil die anderen drei, welche sich auf die vorderste Sitzreihe hinter dem Fahrer gequetscht hatten, alles eins zu eins mitbekamen. Verlegen lächelte ich Matt an. Dieser grinste nur und setzte sich hinters Steuer.

"Hola Matt, aber fahr nicht zu schnell", Matt blickte Jo mit Fragezeichen in den Augen an. "Ich glaube kaum, dass dies auf diesen Strassen möglich sein wird, wieso? Hast du Angst vor hohen Geschwindigkeiten?" "Das wäre mir neu", mischte ich mich ein, "ihr kanns nicht schnell genug gehen!" "Ja, ich liebe SPEED!" Also wenn Sunny den Hinweis schon wieder nicht verstand, musste etwas wirklich Schweres auf ihrer Leitung stehen. "Das weiss ich, aber wieso soll Matt dann nicht zu schnell fahren?" Ich begriff immer noch nicht worauf sie hinaus wollte. "Keine Angst Jo, ich werde schon nicht schneller als 50 Miles fahren." "55 Miles" korrigierte ihn Jack. Ich glaub, ich musste da einen Elefanten auf der Leitung haben. Hoffnungsvoll blickte ich in die Runde in der Erwartung aufgeklärt zu werden. Nichts dergleichen geschah. Matt zwinkerte Jo zu, als ob die etwas wüssten, ich offensichtlich aber nicht. So gemein!

"Ja, ja, wieso, willst du sicherheitshalber den Van auf Bomben untersuchen?" Matt konnte sein lachen kaum mehr unterdrücken. "Bomben!" ein geschockter Gesichtsausdruck habend konnte ich das gehörte nicht glauben. Spinnen die jetzt komplett? 'Blitz und Schnapp' Jack hatte ein Foto von mir geschossen.

"Du weißt aber, dass der Fahrer angeschossen wurde und eine Frau das Zepter übernahm. Sunny, sag mal, haben sie dir zuhause nicht den Fahrausweis entzogen wegen zu schnellem Fahrens?" Jo stand ebenfalls kurz vor der Explosion. "Spinnst du?" entsetzt starrte ich Jo an und zeigte ihr den Vogel. 'Blitz und schnapp' Jack schoss ein erneutes Foto. "Also beim nächsten Mal kostet es etwas", grummelte ich. Ich hasste es, wenn man von mir Fotos zog, fand mich absolut ungenial auf ihnen. Ich pflegte jeweils zu sagen, so eine Schönheit wie mich kann man nicht auf Papier bannen. Jack seinerseits nörgelte nun, "hier war ich schon, das hab ich schon gesehen!" Matt und Jo konnten nicht mehr, sie begannen hysterisch zu lachen. Chris hatte ebenfalls ein schmunzeln auf dem Gesicht. "Jaja, ein grossartiger Film", erwiderte er. 'Blitz und Schnapp' "Hey, jetzt reichts!" Moment mal, ist da nicht gerade das Wort Film gefallen? Busfahrt, 55 Milen, Bombe, Speed! Der Elefant stieg von der Leitung. "Oh man, ihr könnt mich ja auch alle verarschen!" nörgelte ich. "Das haben wir doch", erwiderte Jo nach Luft japsend. "Hey Guapa, du hättest dein Gesicht sehen sollen, köstlich!" Matt lachte noch immer. Ich zog ihm eine Grimasse. Gleichzeitig bemerkte ich, dass Jack wieder seine Kamera anlegte. Schnell suchte ich etwas, das ich nach ihm werfen konnte, fand jedoch auf die schnelle nichts, entschied mich um und begann zu posieren. Jack schoss noch ein paar Bilder von uns, wir blödelten noch weiter herum, diskutierten über den Film. Als ich jedoch auf weitere seiner Filme eingehen wollte, wurde ich von Matt unterbrochen. "Hey, wie wäre es mit etwas Musik?" Zustimmendes Kopfnicken von Chris und Jack, Jo blickte mich erwartungsvoll an. Ich fragte, "Was?" "Nichts", ich durchwühlte die CDs, fand etwas von Ramstein und wolle mich genüsslich deren Sound hingeben, als allgemeiner Protest erklang. Ok, dann eben halt doch eher etwas allgemeineres.

Fünf Stunden später erreichten wir unseren nächsten Campground. Er war etwas ausserhalb eines kleinen Dörfchens. Durch die frühe Tagwach, die Wanderungen der letzten beiden Tagen sowie von der Busfahrt sehr ermüdet, begaben wir uns alle früh zu Bett. Ich schlief wie ein Baby und träumte davon, wie Keanu mich aus einer brenzligen Situation erretten würde. Der Traum war sehr speedverdächtig angehaucht. Warum nur. Ein zufriedenes Lächeln zierte mein Gesicht.

So, bereits fünf Tage on the Road. Frisch ausgeruht und den Bauch voll zählte Matt uns die heutigen Aktivitäten auf. Durch die verfrühte Anreise empfahl er, die Stadtbesichtigung auf den Vormittag zu verlegen und uns am Nachmittag mit den Wassersportoptionen einzudecken. Wieder wurde sein Vorschlag einstimmig angenommen. Jo und ich begaben uns zu unserem Zelt um das Tagesgepäck zu packen und umzuziehen.

"Sag mal Sunny, meinst du nicht, dass die Brandung hier zu gefährlich ist zum Surfen?" "Die Brandung zu gefährlich? Aehm, ich glaube nicht. Schau dir das Meer an, es ist ganz ruhig. Schätze mal eher, dass es fast zu ruhig ist." Jo verdrehte die Augen. "Also ich bin von der gefährlichen Brandung überzeugt!" dabei bohrten sich ihre Augen erwartungsvoll in meine. Ich wollte soeben nochmals verneinen, als rumps eine Million Pfennige runter vielen. "Ah, oh, gefährliche Brandung. Alles klar!" Ich grinste sie stolz an. Heute gings viel schneller. "Nö, glaube nicht, gibt ja keine Bank, die hier überfallen werden kann." "Ja denn, Party on Dude!" Jo lachte, so langsam schien Sunny darauf zu kommen, worauf sie anspielte. "Ja, selber volle Kanne Hoschi. Jo, seit wann interessierst du dich so für Keanu Reeves Filme? Oder ist das bloss ein Zufall dass du gerade aus seinen Filmen rezitierst?" Josephines Augen strahlten. War Jack in der Nähe, ich blickte mich suchend um. Jo schwieg, schaute mich jedoch erwartungsvoll an. Gerade als ich versuchte, aus ihren Gesten schlau zu werden, wurden wir von Peggy und Monique unterbrochen. "Seid ihr endlich fertig, kommt schon. Wieso müssen wir immer auf euch warten!" Moniques giftige Feststellung liess Jo und mich heftig zusammenfahren. Was war denn mit der los? Auch Peggy schaute genervt in unsere Richtung. Schuldbewusst beeilten wir uns. Das Thema Keanu musste auf später verschoben werden.

Während des heutigen Tages fanden noch zwei merkwürdige Gespräche fernab von den übrigen Teilnehmern statt. Das erste ging wie folgt:

"Du musst dich zurück halten. Gestern im Bus als du von Speed anfingst, habe ich beinahe einen Herzinfarkt erlitten!" "Aber wieso lässt du es mich nicht wenigstens Sunny sagen. Ich meine, es fällt mir so verdammt schwer so ein Geheimnis vor ihr zu verbergen." "Nein, keine solchen Spielchen mehr. Bitte!" "Aber.." "Nichts aber, du hast es mir versprochen, also halte dich daran." "Ja, ist ja gut, kein Grund zur Panik. Aber ich kann dir nicht sagen, für wie lange ich so etwas für mich behalten kann." "Solange wie es sein muss!"

Das zweite Gespräch zwischen zwei weiteren Teilnehmern spielte sich folgendermassen ab:

"Also ich kann die Tusse ned ausstehen. Überall mischt sie sich ein und bringt alle gegen mich auf!" "Nein, nicht alle." "Stimmt, und dass sie dir deinen Typen wegnehmen will! Wie unhöflich von ihr!" "Ja und deinen Typen hat sie auch gegen dich aufgebracht. Oder hat er jemals zuvor so mit dir geredet?" "Nein! Ach, ich vesteh auch nicht was mit meinem Schatzi los ist. Diese kleine Hexe hat ihn verzaubert!" "Wir müssen etwas unternehmen, bevor es zu spät ist. Ihre Freundin scheint ja ganz nett zu sein, doch hast du bemerkt welch genervten Blick sie uns zuwarf? Als ob wir sie bei etwas gestört hätten." "Ja, wie unhöflich von ihr!" "Wir müssen das arme Mädchen vor der Hexe retten, bevor es wie gesagt zu spät ist." "Schon, aber wie?" "Morgen ist doch diese Schluchtwanderung angesagt. Da muss man verdammt vorsichtig sein. Ansonsten könnte es sein, dass jemand einen Unfall erleidet." "Genau meine Worte. So einen kleinen Ausrutscher und..." Hämisches Gelächter beendete das Gespräch.

Die in beiden Gesprächen Erwähnte ahnte nichts von ihrem Glück und genoss den Nachtmittag, indem sie zusammen mit Jo Matts und Jacks Anweisungen, wie sie auf einem Surfbrett zu stehen hatten, nachzukommen versuchten. Nach etlichen blauen Flecken mehr und total ausgehungert, begaben sich Jack und Jo wieder auf einen, hm, ich sag denen jetzt mal Ego Trips. Die zwei verdrückten sich um irgendwo ungestört wieder stundenlang zu quatschen. Tja dann, hatte ich mich doch geirrt und der Haussegen hing nie schief zwischen den beiden. Ich verbrachte den Rest des Nachmittags bei 'einer' Party Uno mit Matt und Chris. Peggy und Monique blieben im Dörfchen und überprüften die wenigen Läden auf brauchbare Souvenirs.