Rettungstrupp

Im Städtchen herrschte inzwischen grosse Aufregung. In Windeseile hatte sich die Nachricht über die Verunglückten herumgesprochen. Eine Suchmannschaft wurde zusammengestellt. Jo wurde unterdessen wieder von Zweifel und Sorge geplagt. Ihr Urlaub hatte so toll begonnen. Dann wurde dieser sogar noch besser, als sie herausgefunden hatte, dass Sunnys Schwarm mit von der Party war. Würde diese jetzt je erfahren, wie nahe sie ihrem Idol war? Wieso hatte sie die beiden auch nur alleine gelassen. Nie würde sie sich das verzeihen können. Weshalb hatte sie nicht auf ihre innere Stimme gehört. Irgendwie hatte sie gewusst, dass heute etwas passieren würde. Sie dachte aber, nachdem Sunny bereits einen Unfall erlitten hatte, dies wäre es gewesen. Und nun dass. Chris und Monique kamen zu ihr hin. "Hey Jo, sie werden die beiden schon finden. Hab einfach ein bisschen vertrauen", Chris versuchte ihr etwas Mut zuzureden. "Wegen euch ist das überhaupt passiert!" Böse funkelte sie die beiden an. "Wie meinst du das?" erstaunt blickte Chris sie an. Monique stand weiterhin nur dabei und schwieg. "Weil du", damit deutete sie auf Monique, "einen hysterischen Anfall gekriegt hast, und unbedingt zu deinem Freund wolltest." "Aber jetzt mal langsam. Wie kannst du so etwas behaupten. Wir sind zurück weil Sunny den Halt verloren hatte, vom Hang viel und sich dabei den Knöchel verknackste." "Ja klar, sie fällt ja auch einfach so vom Berg herunter, weil es ihr Spass macht, sich selber zu quälen." Monique schwieg nach wie vor und betrachtete interessiert ihre lackierten Nägel. "Hätte deine Freundin bloss fünf Minuten warten mögen, bis sie die Kuppe erreicht hätten wäre das alles nichts geschehen und wir würden nach wie vor unseren Ausflug geniessen." "Jo, du kannst jetzt nicht alles auf Monique abschieben. Sie hat schliesslich versucht, Sunny aufzufangen und wäre dabei selber beinahe in die Tiefe mitgerissen worden." Chris war nun sichtlich sauer auf Jo. "Wieso müsst ihr eigentlich immer alle auf ihr rumhacken." "Weil sie es nicht anders verdient hat. Komm schon Monique, sag doch mal einmal in deinem Leben die Wahrheit, erzähl was sich dort auf dem Pfad wirklich zugetragen hat!" Jo funkelte Monique wild an. "Das was ich bereits erzählt habe. Sunny ist auf dem Pfad ausgerutscht. Ich habe versucht sie festzuhalten, wobei ich selber beinahe mitgefallen wäre. Sie ist ja so ein grosses Mädchen. Leider ging das alles so schnell, dass ich keine Chance hatte und mitansehen musste, wie die Arme unaufhaltsam nach unten viel. Sie hätte halt besser aufpassen müssen, aber wir haben ja genug oft erfahren dürfen wie unfähig Sunny ist." Jo knallte Monique eine und lief davon. Verdutzt und geschockt blieben die beiden zurück. Monique begann zu wimmern. "Lässt du dir das einfach gefallen? Willst du mich nicht verteidigen?" Beleidigt wandte sich Monique an ihren Freund. Dieser war immer noch geschockt über Jo’s harsches verhalten. Was ging hier ab? "Was sollte das eben?" "Sie hat mir eine Ohrfeige verpasst." "Ja, das hab ich gesehen. Aber warum?" "Weil es immer einfacher ist, bei anderen den Fehler zu suchen als bei sich selber." Monique liess das ganze offensichtlich kalt. Zwar rieb sie sich noch die Wange, auf der sich langsam Josephines Hand abzuzeichnen begann, doch das alles schien sie nicht weiter zu stören. "Und, würdest du mich jetzt gefälligst bei ihr verteidigen." "Wieso sollte ich dich bei ihr verteidigen. Mir hat sie schliesslich nichts angetan." "Ja, aber du bist mein Freund, oder hat sie es jetzt auch geschafft, einen Keil zwischen uns zu treiben, so wie Sunny es getan hat?" Ein paar gekünstelte Tränen liefen ihr über die Wange. "Wie meinst du das, Sunny habe einen Keil zwischen dich und mich getrieben?" "Na, das ist doch offensichtlich. Bevor wir hier her kamen, hast du mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen, warst ganz lieb zu mir. Und seit du mit dieser Sunny verkehrst, widersprichst du mir die ganze Zeit und massregelst mich." Nun folgte ein gekonnter Schmollmund. "Entschuldige, wie bitte? Ich glaube, ich habe mich verhört. Ich massregle dich nicht und widersprechen tue ich auch nicht. Ich habe lediglich angefangen, dich wie eine erwachsene Person zu behandeln." Chris kamen langsam Zweifel auf. Was ist, wenn Jo doch Recht hatte? Wie hatte Monique vorhin selber so schön gesagt, es sei immer einfacher, die Fehler bei anderen als bei sich zu suchen? Er benötigte Zeit für sich alleine. Wortlos liess er Monique einfach stehen und begab sich in die nächste Bar. Zeit für einen Drink.