Nacht
Der Rettungstrupp kam von einer erfolglosen Suche zurück. Resigniert mussten sie feststellen, dass von der Seite her kein durchkommen möglich war. Morgen wollten sie versuchen, von der anderen Seite her in die Schlucht einzudringen. Nachdem sie jedoch das Resultat des Bergrutsches gesehen hatte, sank deren Mut erheblich. Niemand glaubte wirklich, dass das jemand überlebt haben könnte. Doch sie wollten sichergehen. Der hiesige Polizeivorsteher hatte das Militär konsultiert und um deren Mithilfe gebeten. Mit einem allfälligen Einsatz eines Helikopters konnte unter umständen mehr erreicht werden.
Chris hatte jetzt recht einen Sitzen. Peggy hatte sich zu ihm gesellt. Je betrunkener Chris wurde, desto mehr begann er ihr von seiner Beziehung zu Monique vorzujammern. Diese nahm dies alles schweigend zur Kenntnis. Das war ja alles höchst interessant. Die kleine Monique war ja gar nicht so unschuldig wie sie immer tat. Matt gesellte sich zu ihnen. "Habt ihr Jo gesehen?" "Nein, nicht mehr seit dem Nachmittag", lallte Chris. Erstaunen breitete sich auf Matts Gesicht aus. "Chris, ich glaube, für dich ist Bettzeit. Komm." Damit schleppte er diesen aus der Bar. Enttäuscht blickte Peggy den beiden hinterher. Wie konnte er es wagen. Ihr ganzes Interesse an Matt war erloschen. Seit keine Konkurrenz mehr vorhanden war, war Matt für sie nicht mehr interessant. Ihr ging es lediglich darum, die Gewissheit zu haben, dass sie seine Nummer eins war. Da sich die ganze Situation jedoch grundlegend geändert hatte begann sie sich ein neues Opfer zu suchen. Bald schon erweckte in einer einsamen Ecke der Bar ein Typ ihre Aufmerksamkeit. Immer wieder zu ihm hinschielend stellte sie fest, dass auch er sie beobachtete. Einen Drink weiter und sie hatte sich genügend Mut angetrunken, schnappte sich ihr Glas und begab sich zu ihm hin. Bald schon waren die zwei in ein tiefes Gespräch verwickelt. Er schien ihr jedes Wort von den Lippen herauszusaugen, so interessiert war er an ihr und der Gruppe und dem, was bis jetzt vorgefallen war.
Jo hatte sich an den Strand begeben. Sunny liebte den Strand. Wieder einmal gab sie sich ihren Selbstzweifel hin. So sass sie stundenlang da, beobachtete den Sonnenuntergang, sah, wie der Mond das Zepter am Himmel übernahm und wunderte sich, ob Sunny und Keanu den wohl auch sahen oder ob sie wie Matt vermutete, unter Umständen in solch einer Höhle gefangen waren. Wenn ja, wie sollte es ihnen je gelingen, rechtzeitig bei ihnen zu sein.
Matt setzte sich schweigend neben sie. So sassen beide weiterhin am Strand, beobachteten die herannahenden Wellen und gaben sich so gegenseitig trost. Dann auf einmal brach Jo zusammen und begann zu weinen. Matt hatte nur darauf gewartet. Wortlos nahm er sie in die Arme und wiegte sie hin und her, wie ein kleines Kind. Jo war froh, dass sie diese Situation nicht alleine durchzustehen hatte. In dieser Stellung verharrend blieben sie bis in den Morgen am Strand.
Ein neuer Tag brach an, zusammen beobachteten sie, wie die Sonne wieder am Himmel die Regie übernahm. Matt stand auf, zog Jo mit sich hoch. Zusammen gingen sie in ein kleines Restaurant und nahmen ein Frühstück zu sich, wobei beide nur am Kaffee nippten, das Essen jedoch nicht anrührten. Der Polizeikommandant gesellte sich zu ihnen. "Wir haben gekriegt Unterstützung von Militär. Sie senden Hubschrauben wegen Suche aus Luft." "Super. Wissen sie, wann die hier sein werden?" "In Stunde einer etwa. Ich sehe sie nichts essen. Ist nicht gut, müssen bei Kräften bleiben. Esst!" Mit diesen Worten schob er den beiden wieder ihre Teller hin und beide begannen artig unter seiner Aufsicht ihr Frühstück zu essen.
Eine Stunde später war wie versprochen der Militärhelikopter angekommen. Im improvisierten Basislager wurde das heutige Vorgehen besprochen. Der Hubschrauber sollte einen Suchtrupp auf der anderen Seite der Schlucht absetzen, welche sich so ihren Weg zur Unglücksstelle durchkämpfen würden. Unterdessen versuchte der Helikopter, aus der Luft etwaigte Spuren der Vermissten ausfindig zu machen. Jo und Matt erhielten die Erlaubnis, mit ihnen mit zufliegen. Froh, endlich wieder etwas zur Errettung ihrer Freunde unternehmen zu können, bereiteten sie sich auf die Rettungsaktion vor. Eineinhalb Stunden später befanden sich Jo und Matt im Helikopter und suchten das Unglücksgebiet ab.