Gefängnis

Irgendwann im Laufe des Vormittags bin ich dann wieder aufgewacht. Nun schmerzten auch noch mein Rücken und meine Hüfte zusätzlich zum Knöchel. Warum bloss war ich aufgewacht? Ich fror. Das war es, Keanu war nicht mehr neben mir. Vorsichtig setze ich mich auf, das Feuer war beinahe heruntergebrannt. Suchend schaute ich mich in der nun beinahe dunklen Höhle um. Plötzlich vernahm ich ein Gerumpel, ein Fluchen und dann wurde es auf einmal hell in der Höhle. "Keanu?" rief ich zaghaft? "Ich bin hier draussen, versuche gerade uns etwas mehr Tageslicht zu verschaffen, aber die blöden Steine wollen und wollen sich nicht bewegen. Na immerhin etwas vergrössern konnte ich den Einstieg in die Höhle. Wir haben jetzt den Luxus auf allen vieren in die Gruft kriegen zu können." Jetzt konnte ich seine Kontur beim Eingang ausmachen. "Aha, sag mal, haben wir noch Feuerholz? Ich kann hier in der unmittelbaren Nähe nichts ausmachen." Dabei zeigte ich auf unser Zuhause. "Wart, kommt schon." Er verschwand wieder aus dem Eingangsbereich nur um ein paar Sekunden später mit einem grossen Ast im Schlepptau in die Höhle zu kommen. "Und wie sollen wir diesen Baumstamm in unser Feuer kriegen?" "Gib ihm noch ein paar Stunden dann ist er trocken und hoffentlich auch etwas brüchig und dann sollte es gehen. Durst?" "Ja, jetzt wo du es sagst", ich grinste ihn an. "Wusste ich es doch." Er grinste mich ebenfalls an. Dieses lächeln das Millionen Frauenherzen höher schlagen liess. Auch meines, ich gestehe es ja, aber hier war nicht der Ort und schon gar nicht der Zeitpunkt träumereien nachzuhängen. Er griff nach den Getränkeflaschen, "leer." "Ich geh schon frisches Wasser holen, dann kann ich mich auch gleich ein bisschen vom gröbsten Schmutz befreien." Ich versuchte aufzustehen, es blieb beim Versuch, dieser verdammte Knöchel! "Wart, ich helfe dir", er kam zu mir rüber und half mir beim Aufstehen. "Ist noch nicht besser?" Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte nicht sagen, dass es eher gegenteilig war und der Fuss mir heute noch mehr schmerzte als gestern. Ich biss die Zähne zusammen und humpelte zu unserer Wasserquelle. "Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn du den Fuss ein wenig im Wasser lässt." "Und damit unsere Trinkwasser vergiften tue? Ne, sicher nicht. Geht schon, wirklich." "Ja, und ich bin der Nikolaus." "Also doch, ich wusste es, dass ich nicht so lange würde warten müssen." Keanu schaute mich verwirrt an. Ich half ihm auf die Sprünge und erinnerte ihn an unsere Konservation von gestern Abend. Wieder grinste er mich mit dem so typischen Lächeln an. Ich fragte mich, weshalb mir das nicht schon so viel früher aufgefallen ist. Schätze mal, dass es daran lag, dass er von Anfang an Tabu für mich war, da Jo und er sich so blendend verstanden hatten. Und mein Interesse lag ja klar bei Matt, zumindest dachte ich so. Und dann behauptete ich immer, einen Typen wie ihn würde ich nie von der Bettkante stossen. Ich muss dämlich vor mich hingegrinst haben, während ich meinen Bauch mit Wasser füllte und all diesen Gedankengängen nachhing. Keanu stupste mich leicht an. "Ja? Ist etwas?" Ich grinste immer noch. "Einen Penny für deine Gedanken." "Lieber nicht, ist nicht ganz ähm, Jugendfrei?" "Oh, dann interessiert es mich umso mehr. Biete einen Dollar." "Wow, so viel? Fühle mich geehrt." "Klar, also einen Dollar und einen Penny für die nicht ganz jugendfreien Gedanken von dir." "Hast du mir gestern eigentlich nicht noch eine Überraschung versprochen?" "Dieser Themawechsel gilt nicht." "Und ich habe auch noch keinen Dollar und keinen Penny gesehen." Keanu griff in die Tasche und holte eine 10 Dollar Note hervor. "Kannst du wechseln?" Damit wedelte er mit der Note vor meinem Gesicht herum. Ich muss ihn so geschockt angeschaut haben, jedenfalls brach er in schallendes Gelächter aus. Ich fühlte wie ich rot wurde. Zum Glück war es zu dunkel hier um so feine Unterschiede wahrzunehmen. Doch der nächste Schock folgte sogleich indem er sanft mein Gesicht zwischen seine Hände nahm und mir sanft einen Kuss auf die Stirn drückte. "Sag mal Sunny, hat dir schon mal jemand gesagt wie herrlich erfrischend du sein kannst?" "Ich, ähm, na so in die Richtung noch nicht. Bis jetzt konnte ich immer alles sehr logisch analysieren, was auch für." Ich schwieg, was für einen Stuss blabberte ich da vor mich hin? Nun wurde ich richtig rot und das war auch in der Dunkelheit nicht mehr zu verleugnen. Keanu lachte wieder auf, nahm mich kurz in die Arme und liess mich anschliessend wieder los. "Du bist dir Komplimente wohl nicht so gewohnt." "Nein." "Ok, verschieben wir das mit den Gedanken auf Später, Zeit haben wir ja genug. Komm jetzt, ich muss dir etwas zeigen das ich gestern beim Erkundschaften der Höhle entdeckt habe." Er half mir aufzustehen und mehr von ihm getragen als selber gehend lotse er mich in das hintere Ende der Höhle. Warte hier kurz, ich geh mal rasch etwas Licht organisieren. Damit setze er mich vorsichtig auf einen Stein und lief zu unserem Nachtlager zurück. Dann kam er mit einer selbstgebauten Fackel zurück und hielt sie an die Wand. Lauter Höhlemalereien kamen zum Vorschein. "Wow, genial, unglaublich, wie hast du die denn gestern im Dunkeln ausfindig machen können?" "Feuerzeug." "Logisch, wie blöd von mir, sag mal kannst du die Fackel etwas mehr links halten?" Er tat wie von mir gebeten. "Schau doch, das scheint wie der Grundriss unseres Grabs zu sein. Vielleicht haben die hier einen Gang gemalen der uns in die Freiheit führt." Hoffnung erglomm in meiner Stimme, doch so schnell der Funke ansprang, so schnell erlischte er wieder. "Oder auch nicht." "Ja, der Eingang auf der anderen Seite scheint auch der einzige Ausgang zu sein. Aber schau dir doch das mal an." Er leuchtete etwas mehr nach rechts. Wunderschöne Zeichnungen von früheren Erdbewohner waren nun ersichtlich. "Wie die das bloss konnten? Ich bewundere jeden, der irgendwelche Fertigkeiten in diese Richtung hat, denn ich besitze absolut keine in die Richtung. Meine Gedanken schweiften zu Jo. Wir mussten hier heraus, ich konnte doch nicht verpassen, wie sie ihre Schauspielkarriere ohne mich anfing. Schliesslich wollte sie mich bei ihrem ersten Oskar mit Namen erwähnen. Wir verweilten noch eine ganze Weile bei den Malereien bevor sich durch unser Magenknurren unsere miserable Situation wieder einholte.