Mein Entschluss

Nach einer wie es mir schien unendlich langen Zeit löste ich mich aus seiner Umarmung. "Und? Besser?" "Ja, danke." "Danke für was?" "Danke, dass du du bist." "Hey, willst du mich jetzt in Verlegenheit bringen? So 'Heilig' wie du mich darstellst bin ich nicht." Keanu musste mein lächeln gespürt haben denn er fuhr mit seinen Fingern meinen Mund entlang. "So ist es doch schon viel besser." Plötzlich begann ich zu zittern, jetzt da ich mich nicht mehr in seiner schützenden Umarmung befand. "Keanu, ähm, meinst du wir könnten vielleicht beginnen, unsere Kleidung zu suchen?" Irgendwie war mir das jetzt total peinlich. Er jedoch brach in schallendes Gelächter aus. "Klar, lass uns suchen." Gesagt getan. Unendlich lange Zeit später hatten wir sämtliche Kleidungsstücke ausser meinem rechten Socken alles wieder gefunden. Von ihm unterstützt begaben wir uns zu der Feuerstelle, welche er wieder entfachte.

"Sag mal, wolltest du mir vorhin nicht etwas mitteilen?" "Hm, wollte ich das?" Ich hielt meine kalten Hände über das wärmende Feuer. Gerade als ich es mir gemütlich gemacht hatte und überlegte, was ich ihm wohl hatte sagen wollen, bliess mir Rauch ins Gesicht. Rauch, Feuer, Hubschrauber. "Ja klar, wie konnte ich bloss!?" rief ich. Verdutzt schaute Keanu mich an. "Ich weiss jetzt wieder was ich sagen wollte! Sie suchen nach uns." "Das hoffe ich doch", grinste er mich an. "Ja und ich weiss auch wie wir hier herauskommen." Er zog einen Augenbraue hoch, schwieg aber. "Feuer, Rauch, das muss doch meilenweit zu sehen sein. Heute habe ich nämlich einen Hubschrauber gehört und auch wenn dieser nicht vom Suchtrupp ist, so wird er diese ungewöhnliche Rauchbildung weiterleiten. Hoffe ich zumindest." "Baby, du bist genial!" Er drückte mir einen Kuss auf den Mund. Ich glaube, ich musste ihn ziemlich dämlich angegrinst haben, denn er brach erneut in schallendes Gelächter. "In diesem Fall lass mich gleich mal etwas Feuerholz hier in die Höhle bringen, damit es bis morgen getrocknet ist. Es dürfte nämlich schon ziemlich dunkel sein und Rauch in der Nacht, na, das brauch ich so einem schlauen Kopf wie dir nicht zu erklären." Er zog von dannen.

Oh mein Gott, ich glaube es hat mich gewaltig erwischt. Ich begann mir bereits eine gemeinsame Zukunft mit Keanu vorzustellen, als sich plötzlich Josephines und Matts Gesicht in meine Gedanken schob. Nein, das konnte ich ihnen nicht antun. Wieso konnte ich das Matt nicht antun? Weil ich ihn mochte, sehr sogar, doch er war eh an Peggy interessiert, oder? Und Jo, ich mein, sie hat ihn zuerst kennen gelernt. Die schon lange überfälligen Schuldgefühle meldeten sich nun zu Wort. Da half auch ein Schönreden nichts mehr und mein ach so geliebter logischer Verstand übernahm das Zepter. Hier in dieser Zauberwelt konnte ich ja meine Phantasie aufrecht erhalten, dass eine gemeinsame Zukunft mit ihm möglich war, aber im wirklichen Leben? Wie konnte ich bloss so naiv sein und glauben, ich könnte mir einen Mann wie Keanu Reeves angeln, schalt ich mich. Ausserdem, wie endete sein Film in Speed? Beziehungen welche unter einer extremen Situation entstehen, haben keine Zukunft. Und dies hier war doch ganz klar solch eine Situation. Er sah das sicherlich auch so. Eine extreme Situation löste bei manchen eine extreme Reaktion aus. Und ausserdem, hey, ich bin nicht aus Eis, und seine Zärtlichkeiten kamen einfach zum richtigen Zeitpunkt. Es war Zeit für mich ein Jungfrauendasein aufzugeben.

Ausserdem, konnte ich in seiner Welt leben? Rampenlicht? Die ewigen Reporter auf Schritt und Tritt? Nein, das war nichts für mich. Das war ganz klar Jo's Welt, nicht meine. Lieber blieb ich im Hintergrund. Lieber blieb ich bei Matt, sofern er mich wollte. Wieso kam ich immer wieder auf Matt zu sprechen? Ich verstand mich selber nicht mehr.

So führte ich mein Zwiegespräch mit mir selber fort. Eine Wand von Zweifel und Selbstschutz aufbauend wägte ich weiter die Pros und Cons ab, ohne überhaupt mit Keanu darüber geredet zu haben. Aber ich meine, er würde dem eh zustimmen. Er hatte dem einfach zuzustimmen. Ich mein, ich fühlte mich ja schon geschmeichelt, mein erstes Mal mit jemand so Berühmten verbracht zu haben. Wow, sollte das jemals bekannt werden! Wieviele konnten so etwas vorweisen? Da hatte sich das Warten ja wirklich gelohnt. Und Jo würde ich einfach nichts sagen. Zumindest würde ich versuchen dies vor ihr zu verheimlichen. Ich hoffe bloss, dass sie diesmal nicht ihren siebten Sinn hervorkramt. Ausserdem, well, für Keanu war das ja auch nur eine einmalige Angelegenheit. Hey, ich hatte Sex und das mit KEANU Reeves. Wow. Ich konnte es immer noch nicht glauben. Am liebsten würde ich es halt doch der ganzen Welt erzählen, aber wer würde mir glauben? Nein, ich durfte nicht. Es war eine einmalige Sache und damit war das Thema erledigt. Jemand wie ich mit jemandem wie ihm? Nie!

Als Keanu endlich vom Holzsammeln zurück kam und sich neben mich setzte, war mein Entschluss gefallen.

Die hoffentlich letzte Nacht verbrachten wir in inniger Umarmung eng aneinander gekuschelt. Dies war das letzte was ich mir diesbezüglich erlaubte. Schliesslich war ich kein Übermensch, als er erneut begann mich zu küssen. Doch alles weitere wehrte ich ab, sonst brach ich schon zu beginn meine edlen Vorsätze, welche mein ach so logischer Verstand und mein sturer Stierwille zurechtgelegt haben. Ab morgen würde eh alles vorbei sein. Mit Tränen in den Augen schlief ich ein.

Keanu bemerkte wohl meinen Stimmungsumschwung, liess mich jedoch in Ruhe. Er vermutete dass dies mit der Errettung von morgen zu tun haben würde. Ausserdem war das ja auch nicht schlecht. Mit einem zufriedenen Lächeln schlief er ein.