Gerettet

Jo und Matt kehrten nach einem erfolglosen Tag zu dem Zeltplatz zurück. Nach einer erfrischenden Dusche begaben sie sich wieder zur Kommandozentrale, in welcher nach und nach der ausgesandte Fusstrupp ihre Ergebnisse mitteilten. Alle so trostlos wie ihr Tag. Die Moral der Retter war auf den Nullpunkt gesunken. Speziell nachdem sie die Unglücksszene so hautnah erlebt hatten. Die zwei würden nur mit grösstem Glück überlebt haben. Trotzdem würden sie morgen nochmals ihr Glück versuchen. Für heute war es jedoch zu spät und zu dunkel.

Getrübt zogen die zwei sich wieder an den Strand zurück. Chris gesellte sich zu ihnen und sie erzählten ihm von ihrem Tag. Anschliessend teilte ihnen Chris sein ungewöhnliches Erlebnis mit dem Reporter mit. Diese kommen schon immer an Orte, an denen man zuletzt mit ihnen rechne, meinte er. Matt und Jo tauschten heimliche Blicke aus. Während des Tages hatte sich herausgestellt, dass beide wussten, wer Jack in Wirklichkeit war, beschlossen aber, dies vorerst zu verschweigen. Ebenfalls, dass man dies den Verwandten der beiden mitteilen würde. Jo und Matt wollten damit unnötigen Kummer verhindern, sollte man die beiden doch noch lebend vorfinden. Ansonsten würde die schmerzliche Erkenntnis über den Verlust der beiden noch früh genug an die Öffentlichkeit dringen. Einzig Matts Office wurde informiert, welche ihrerseits die entsprechenden Schritte in die Wege leitete.

Unterdessen in einem kleinen Kaffee war Martin Sommer wieder dran, den beiden anderen weiblichen Tourteilnehmern sämtliche schmutzigen Details auszusaugen. Und von denen gab es anscheinend genug. Sollte nur die hälfte davon stimmen, so war ihm der Purlitzerpreis sicher. Und dass auch noch eine solche berühmte Persönlichkeit wie Keanu Reeves darin involviert war, einfach unbezahlbar. Zwischenzeitlich hatte er mit den zwei grössten Zeitungsverleger Kontakt aufgenommen und war an der Preisaushandlung. Nicht nur dass er sich den Preis angeln würde, nein, sein Bankkonto würde um etliche Zahlen steigen. Was war da schon das ewige Genörgel von Monique über Chris oder der besitzanzeigende Blick von Peggy. Schliesslich musste jeder grosse Künstler leiden. Und wenn das sein Leid war, Peanuts. Gegen zwei Uhr morgens begab er sich schlussendlich mit einem überfüllten Kopf und 3 Tonbänder voll in sein Hotelzimmer und begann seinen Artikel zu schreiben über diese Schweizerin, welche den Tod von Keanu Reeves verursachte und ausserdem noch beinahe ihre Mitreisenden umbrachte. Ausserdem war sie der Grund für eine zerbrochene Ehe und einem gebrochenen Herzen. Ach wie würde diese Kleine bluten. Ein hämisches grinsen verunstaltete sein Gesicht.

Am frühen Morgen trafen sich alle wieder frisch gestärkt und mehr oder weniger ausgeruht in der provisorischen Kommandozentrale. Der Hubschrauber war frisch aufgetankt, der Rettungstrupp parat um wieder zu Fuss das Unglücksgebiet abzusuchen. Gegen 8.00 Uhr hob der Helikopter ab. Jo und Matt waren selbstverständlich wieder mit von der Partie.

Nach kurzer Flugzeit bemerkte Jo plötzlich etwas aus ihren Augenwinkeln. So gut es ging versuchte sie in dem überfüllten Hubschrauber eine bessere Sicht zu erhalten. War das nicht Rauch? Wer zündete hier im Regenwald bloss ein Feuer an? Aufgeregt zog sie an Matts Shirt und deutete auf das Entdeckte. Nun konnte auch Matt das Feuer ausmachen. "Oh Gosh, lass es die beiden sein." Über Funk verständigte er den Piloten, dass es da unten im Wald ein Feuer gäbe. Dieser flog einen Bogen und kehrte zu der Stelle zurück. Aufregung erfasste nun den ganzen Flieger. Sie umkreisten die Stelle ein paar Mal, nur um sicher zu sein, dass es sich hierbei um keinerlei Fatamorgana handelte. Dann suchte der Pilot einen Landeplatz. Etwa 5 Milen von dem Feuer entfernt fand er diese und setze den Rettungstrupp aus. Diese marschierten sofort los Richtung Feuer. Jo und Matt mussten sehr zu ihrem Übel beim Hubschrauber bleiben. Eine Zeit des Banges begann.

"Sunny, Sunny, wach auf, dein Plan war ein voller Erfolg!" Freudig aufgeregt kam Keanu auf mich zu. "Super", murmelte ich lustlos und begann langsam meine sogenannten sieben Sachen zusammen zu suchen. "Was ist los Sweety? Du hast so einen gequälten Gesichtsausdruck?" Ich zeigte auf meinen Fuss. Zum ersten Mal war ich froh, dass ich mir diesen verletzt hatte. "Oh Baby, wie konnte ich das nur vergessen. Wart, lass mich das machen." Er nahm mir meinen Rucksack aus den Händen und stopfte unkontrolliert alles herumliegende hinein und trug die beiden Taschen nach draussen.

Heimlich wischte ich mir eine Träne weg, welche ich nur schwerlich zurückhalten konnte. Wieso war mein verdammter Entschluss auch nur so schwer einzuhalten? Keanu kam zurück. "Hey, das kann jetzt aber nicht dein Fuss sein." Wieso musste er auch nur so feinfühlig sein? "Doch doch", versuchte ich ihn zu überzeugen. Erfolglos. "Das nehm ich dir nicht ab. Du warst gestern schon so komisch. Da wollte ich dich aber noch in ruhe lassen. Immerhin hattest du einiges erlebt in den letzten paar Tagen." "Genau, das wird es sein", zweiter Versuch. Keanu schaute mich an, er wusste genau, dass das nicht das war. "Komm, lass uns draussen weiterreden. Sonst verpassen wir womöglich noch unsere Rettung." Er half mir hoch. Schon die kleinste Berührung von ihm liess mein Blut in Wallung geraten. Verflixt und zugenäht. Das war doch gestern noch nicht so. Wieso musste mein Körper nur so heftig darauf reagieren. Aber ich hatt erlikt, wieviel Spass und Freunde aber auch ein Wechselbad der Gefühle die körperliche Liebe hervorrufen konnte. Was war bloss los mit mir? Ich mein, es war doch nur Sex, auf gut Deutsch gesagt. Nicht mehr und nicht weniger. Wieso benahm ich mich dann wie ein kleines Kind? Sehnsüchtig blickte ich mich noch ein letztes Mal in der Höhle um, welche für die letzten zwei Tage mein Zuhause war, sozusagen. Mein Blick blieb an der Stelle hängen, in welcher Keanu und ich gestern... Nein ich durfte nicht daran denken. Humpelnd liess ich mich von Keanu herausgeleiten.

Im Brunnenschacht setzte ich mich an meinen Stammplatz. "Also, nun sag mal, was ist los? Hat es etwas mit gestern zu tun?" Ich schwieg. Wenn es sein muss kann ich sehr stur sein. "Schau Sweety, wenn du mir nicht sagst, um was es geht kann ich auch nichts dagegen unternehmen." "Wer sagt denn, dass du daran etwas ändern kannst, geschweige denn sollst?" "Also wenn es etwas mit mir zu tun hat bin ich schon der Meinung, dass ich auch ein Wörtchen mitzureden hab." Grimmig schaute ich ihn an. "Es hat nichts mit dir zu tun." Keanu blickte mir tief in die Augen. "Wirklich", versuchte ich ihn zu überzeugen. In dem Moment hörten wir die ersten Rufe. "Wir sprechen später darüber. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", murmelte er und begann die Rufe der Retter zu erwidern.

Dann ging alles sehr schnell. Innerhalb der nächsten Stunde waren Keanu und ich aus der Grube heraus und auf dem Weg zum Hubschrauber. Das wirkliche Leben hatte uns wider. Beim Hubschrauber stiessen wir auf Jo und Matt, welche uns überschwenglich in die Arme schlossen. Viele Tränen der Widersehensfreude wurden vergossen. Auf dem Rückflug zum Dorf mussten wir das Erlebte in allen Einzelheiten erzählen. Gewisse Stunden unseres Beisammenseins liessen wir beide jedoch aus. Immer wieder musste Jo mich berühren, ungläubig, ob es wirklich ich war oder nur mein Geist. Auch mir erging es nicht anders. Es half mir über den Schmerz in meinem Herzen hinwegzukommen.