Geständnisse
Unruhig rutsche ich auf dem Küchenstuhl hin und her. Es war zwischenzeitlich ein Monat vergangen und ich lebte immer noch bei Conny. Obwohl ich einen Job als Lageristin in einem Grossmarkt gefunden hatte, so tat ich mir schwer was die Wohnungssituation betraf. Conny jedoch übte keinen Druck auf mich aus und so kam es, dass ich immer noch bei ihr wohnte. Der Anfang einer Freundschaft hatte sich zwischen uns entwickelt, welche jedoch langsam aber sicherlich eher ins Mutter Tochter Verhältnis abdriftete. Ich weiss nicht, weshalb ausgerechnet heute ich ihr die Artikel zeigte, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich Conny gegenüber eine gewisse Ehrlichkeit schuldete, nachdem sie mir so hilfsbereit begegnet war und nie eine Gegenleistung forderte.
Conny ignorierte mein rumgezappel auf dem Stuhl und lass einen Artikel nach dem anderen. Danach faltete sie sie schön säuberlich zusammen, stand auf und setzte Kaffeewasser auf. Ich wartete nur auf den grossen Bäng, der nun unweigerlich folgen musste. Doch nichts dergleichen geschah. Conny widmete sich ungeniert weiter dem Kaffeebrühen und liess mich in meiner Misere allein. Sag etwas, betete ich sie an, irgendwas aber lass mich hier nicht so hängen. "Wenn du willst packe ich sofort meine Sachen zusammen." So, ich bot ihr also galant einen Ausweg. "Warum? Hast du eine Wohnung gefunden?" Mit dieser Antwort hatte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet und brachte mit zum Stillstand. "Ehm, nein, eigentlich nicht." "Und warum sollte ich dich dann zum gehen auffordern?" "Wegen dem, was du eben gelesen hast?" "Ach das, die kannte ich doch schon." Das Wasser pfiff im Kessel und sie holte zwei Tassen aus dem Schrank und füllte diesen mit Kaffeepulver, goss das heisse Wasser hinein und setzte sich wieder zu mir an den Tisch.
Der Satz sass. Völlig verdattert und nach Luft schnappend blickte ich sie an. Nun wusste ich echt nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Auf der einen Seite wollte ich ihr eine Szene vorführen, auf der anderen Seite war ich einfach zu konsterniert, um überhaupt irgend etwas zu tun. So blieb ich also auf meinen 4 Buchstaben sitzen und harrte der Dinge, die da kommen würden. Conny schob mir eine Tasse rüber, welche ich dankbar entgegen nahm. "Und jetzt?" fragend blickte ich sie an. "Jetzt erzählst du mir, was sich wirklich zugetragen hat." Ich nahm einen Schluck Kaffee und begann dann, ihr alles zu erzählen, von Jo und unseren Ferien in Costa Rica, dem Unglück, was danach vorgefallen war bis hin zu dem schicksalhaften Interview, welches ich unbewusst gegeben hatte im Spital. Conny unterbrach mich nur, wenn sie etwas vertieft haben wollte oder ihr irgend etwas unklar war. Ansonsten liess sie mich reden.
Als ich geendet hatte blickte ich sie abwartend an. Ich erwartet jetzt irgend einen Blick der Ablehnung oder des Ekels in ihrem Gesicht. Jedoch nichts dergleichen war dort vorzufinden ausser die mir bereits bekannte Güte und Herzlichkeit. "Also sag mir schon, dass ich alles falsch gemacht habe und ich das anschliessend erlebte verdiente." "Traust du mir so wenig zu Sunny, um nicht zu wissen, dass alles zwei Seiten hat?" Wie so oft in letzter Zeit wusste ich nicht, was ich darauf erwidern sollte und blieb stumm. "Sunny, und was geschah danach? Was ist wirklich vorgefallen?" Ich stand nun dieses mal auf und brühte frischen Kaffee, während ich versuchte, mich innerlich zusammeln. Zehn Minuten später war die nächste Runde Kaffee fertig und ich setzte mich erneut an den Tisch. "Ok, also, das ist das, was ich von meiner Seite aus erzählen kann."