Kontaktaufnahme

Ein Monat war in der Zwischenzeit vergangen und immer noch hatten es Mike, Tom und ich nicht zu einem Gespräch geschafft. So langsam konnten die mir aber wirklich den Buckel runterrutschen. Auch meine Geduld hat irgendwo seine Grenzen und ich war nahe daran, herauszufinden wo. Ich werde ihnen genau noch eine Woche geben, und wenn ich dann nichts erfahre, werde ich bei denen persönlich vor der Tür stehen. Da kenn ich nichts. (Also zumindest beim Vorsatz fassen) Die Woche ging vorbei, im Geschäft war das Thema auch abgeschlafft, dort sorgten die neuen Sparmassnahmen für Gesprächsthema Nummer 1. Tom und Mike waren auf Platz 3 abgerutscht.

Erneut versuchte ich Tom zu erreichen, da ich jedoch in der Zwischenzeit genug mit seiner Kombox geflirtet hatte, wollte ich spätestens nach dem 4ten Klingeln aufhängen. Ausserdem wäre dann der Anruf für mich immer noch gratis. Dieses Mal meldete sich jedoch eine männliche Stimme mit "Hallo?" Schock lass nach, Tom hat den Stimmbruch erwischt oder er war krank. "Aehm ja, aehm, ist Tom da?" "Ne, tut mir leid, der ist momentan nicht abkömmlich, um was geht’s denn?" Hey, das geht dich Stimme jetzt aber wirklich nichts an. "Ich glaub das wär zu kompliziert um das zu erklären. Ausserdem wer sind sie denn überhaupt?" Die Stimme am anderen Ende lachte. "Ich bin Philipp, Toms Bruder." "Hey, wie viele von euch gibt’s denn da eigentlich?" Wieder lachte die Stimme. In diesem Moment realisierte ich was ich da so spontan von mir gegeben hatte. "Oh, aehm, also ich wollte nicht unhöflich erscheinen. Ich hab nur aehm, grad kürzlich herausgefunden, dass es Tom im Doppelpack gibt." Schweigen. "Aha." Erneutes Schweigen. Was sollte das jetzt? "Ja, wieso? Ist das nicht erlaubt?" fragte ich provokativ zurück. So langsam kam ich in fahrt. Wenn Mike und Tom schon nicht erhältlich waren um meinen Frust bei ihnen abzuladen, so musste halt Philipp hinhalten. Blieb ja schliesslich in der Familie! "Doch, schon. Tschuldige, war nicht so gemeint. Und wer bist du denn eigentlich?" Berechtigte Gegenfrage. "Ich heisse Emily. Bin ne Arbeitskollegin, mein Ex-Arbeitskollegin von den beiden." Wie blöd sich das anhörte. "Aha." Also dieser Philipp war sehr wortgewandt, musste ich sagen. "Ja, stell dir vor. Aber irgendwie sind wir vom Thema weggekommen. Eigentlich wollte ich Tom, oder sonst auch Mike sprechen, wenn es ginge." "Wie gesagt, meine Brüder sind momentan nicht zu sprechen. Aber ich werde ihnen gerne ausrichten, dass du angerufen hast." Mit diesen Worten wollte Philipp schon wieder aufhängen, doch galant hinderte ich ihn dran mit meinem Taktisch klug gewählten Wort, "Halt". "Ja? Ist noch was?" "Hey, du kannst mich doch nicht einfach so abspeisen, wenn ich schon mal jemand von dieser Familie am Draht habe. Ich will wissen warum mich die beiden nicht zurückrufen. Ich warte schon seit einem knappen Monat darauf." "Aha" Philipp sprühte vor Kreativität, wenn ich das so erwähnen darf. In dem Moment hörte ich, wie im Hintergrund die Tür ging und jemand das Zimmer betrat. Undeutlich konnte ich die Stimme von Tom oder Mike hören. Ebenfalls musste ich mitanhören, wie Tom/Mike es ablehnte, mit mir zu reden. Ich hatte genug gehört, zutiefst beleidigt und vor allem verletzt hängte ich Philipp auf. Ich verkroch mich in meinem Zimmer. Entfernt konnte ich das Läuten des Telefons wahrnehmen und anschliessend das meines Handys. Wie konnten sie bloss. Ich fühlte mich so billig, so ausgenutzt. So was war doch einfach nicht fair. Das Wochenende war ich für niemanden zu sprechen. Ich glaub soviel hatte ich noch nie geweint. Am Sonntag Abend musste ich dann jedoch gestehen, dass mehr mein verletzter Stolz als mein Herz darunter gelitten hatte. Oh man, wieso lernte ich es denn nie? Wieso will mich niemand? Was ist an mir so abstossend? All diese Gedanken gingen mir durch den Kopf. Doch nicht mal die kleine Stimme im Hinterkopf konnte mir all meine Fragen beantworten, ich glaub die war grad wieder mal in den Ferien.