Eis essen

Trisha folgte den beiden Freunden. Sie fühlte sich nicht gut. Hatte sie richtig gehandelt? Hätte sie überhaupt eine Chance gehabt? Zum Glück war in zwei Wochen Sommerferien und somit konnte sie die lästige Schule für ca. 2 Monate hinter sich lassen. Wie freute sie sich darauf. Speziell nach dem heutigen Tag. Kaum im Auto sprach Jerry schon auf sie ein. Phil, der merkte, wie sehr sie durch den Wind war, hielt ihn jedoch auf und verwies auf später, nachdem sie ihr Eis hatten. Trish war ihm unendlich dankbar dafür. Sie wusste auch nicht, weshalb sie vorhin so austickte und überhaupt nichts zu der ganzen Situation erwiderte. Sie wünschte sich einfach weit weg. Sie vermisste ihre Mutter.

Eine halbe Stunde später parkierte Jerry den Jaguar vor einem niedlichen kleinen Kaffee direkt am Strand. Sie stiegen aus und suchten sich ein Plätzchen etwas abseits der übrigen Gäste auf der Terrasse. "So Süsse, nun erzähl mal was vorhin passiert war." Jerry kam gleich zum Punkt. Es machte ihn rasend zu sehen dass ihr ein Unrecht getan wurde und er es nicht verhindern konnte. "Ich weiss es auch nicht, Kreislauf des Lebens, ach, ich weiss doch auch nicht." Trisha traten Tränen in die Augen. Langsam kullerte ihr eine davon die Wange herunter. "Hey Kleine, was ist denn? Jetzt ist doch alles vorbei!" Etwas unbeholfen schauten sich die beiden erwachsenen Männer an. Sie wussten wie sie mit den schwersten Verbrechern umzugehen hatten, konnten sich aus tödlichen Situationen retten. Ein kleines 14jähriges Mädchen, welches vor gut 3 Monaten seine Mutter verloren hatte, sie wussten nicht wie handeln. Sie fühlten sich hilflos. Intuitiv jedoch taten sie das einzig richtige. Sie nahmen sie in die Arme und liessen sie weinen. Es war das erste Mal seit dem Tod von Trishas’ Mutter, dass sie weinte.

Nach unendlich langer Zeit versiegten Trishas’ Tränen und sie schaute schüchtern in Jerrys Gesicht. Dieser schaute sie an und lächelte. "Bist du mir nicht mehr böse?" fragte sie in ängstlich. "Böse? Weshalb soll ich dir denn böse sein?" "Na wegen vorhin von der Schule, weil ich nichts gesagt hatte." "Hey Kleine, warum sollte ich böse sein? Es hat mich nur sauer gemacht, dass es jemand gewagt hat, dir wehzutun. Ich hab versprochen, auf dich aufzupassen und das ist mir nicht gelungen, das hat mich laut werden lassen." Trisha lächelte in an. Immer noch stand der Schmerz ganz klar in ihren Augen geschrieben, doch da war auch etwas undefinierbares, etwas das zeigte, dass für sie das Leben weiter ging. "Ach, dann ist ja gut. Können wir jetzt endlich unser Eis essen?" Phil und Jerry schauten sich an, da sollte einer noch draus kommen? "Klar machen wir das jetzt, eine grosse Portion Schokoladen und Vanille Eis. Oder hättest du lieber etwas anderes?" Phil schaute Trish an und schluckte den Klos hinunter, der ihm seit ihrem Zusammenbruch in der Kehle sass. "Ähm, darf ich nicht lieber Stracciatella und Pistazien Eis haben?" "Natürlich, wird sofort bestellt." Phil winkte den Kellner herüber, der schon ganz suspekt auf die Dreiergruppe schaute. Trisha schälte sich aus Jerrys sicherer Umarmung und lief auf Phil zu. Dann umarmte sie ihn, gab ihm ein Küsschen auf die Wange und sagte einfach nur "Danke". Mit diesen Worten lief sie zurück zu Jerry, setzte sich auf seine Knie und kuschelte sich wieder an seine schützende Brust.

Ein unglaubliches Gefühl von Stolz umgab Jerry. Wie konnte ein kleines Kind bloss solche Gefühle bei ihm hervorrufen? Er nahm sie wieder in die Arme und so warteten sie gemeinsam auf das bestellte Eis.