Anreise

Trisha freute sich riesig. Morgen endlich würde es nach New York gehen. Ihr erstes Mal in den Staaten überhaupt. Schon seit Jahren lag sie ihrer Mutter wegen dieser Stadt in den Ohren. Seit sie begonnen hatte, Krimiromane über einen FBI Agenten zu lesen, der die Gangster und Übeltäter von New York jagte und zu Fall brachte. In ihrer Fantasie avancierte er zu ihrem Ersatzvater und irgendwie gelang es ihr immer, sich in seine Abenteuer miteinzubeziehen. Morgen Abend, ja dann wäre sie auch dort und vielleicht würde sie diesen Jon Conner ja treffen und er würde Trisha als eine verloren geglaubte Tochter herlich und liebevoll in die Arme schliessen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht schlief Trisha ein.

Erica schaute ihre 13-jährige Tochter mit gemischten Gefühlen an. Diese hatte sich so gut es ging im Fliegersitz zurechtgekuschelt und zog sich grad zum x-ten Mal die neuste Folge von TKKG auf Hörspielkassette rein.

"Liebling, willst du dich nicht ein wenig hinlegen und schlafen? Immerhin geht es noch 3-4 Stunden bis wir in New York sind."

"Schlafen?! Und all diese Action verpassen? Sicher NICHT!" Mit diesen ernstgemeinten Worten setzte sich Trisha die Kopfhörer wieder auf und stierte weiter das nichts ausserhalb des Fliegers an.

Erica schüttelte nur den Kopf und musste sich ein schmunzeln verkneifen. Mit diesem Kombigeschenk lag sie bei ihrer Tochter genau richtig. Eine Mischung aus Geburtstagsgeschenk und bestandener Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule. Als alleinerziehende Mutter was es für sie nicht immer ganz einfach gewesen, ihrer Tochter die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie sie es gerne getan hätte. Diese 2 Wochen sollten auch so eine Art Wiedergutmachung sein und sie hatte sich vorgenommen, diese Zeit ausschliesslich Trisha zukommen zu lassen. Aus den Augenwinkeln betrachtete sie sie von oben bis unten. Trisha war grossgewachsen für ihr Alter, hatte braune schulterlange Haare und liebe treuherzig dreinblickende braune Augen. Einziger Negativpunkt den sie sich als Mutter eingestand war, dass ihre Tochter übergewichtig ist, aber das würden sie gemeinsam schon in den Griff bekommen. Sie hoffte auch, dass ihre Tochter durch diese Reise lernt, etwas aus sich herauszugehen und sich nicht nur auf ihre Traumwelt und diesen Jon Conner zu fixieren. Erica griff zu ihrem Buch und widmete sich wieder ihrem Roman.