Das Ende
Nun war Trisha schon zwei Monate dabei, Beweismaterial gegen ihren Stiefvater zu sammeln. Gemäss Jerry verliess alles recht gut soweit, doch das Tüpfelchen auf dem i fehlte leider immernoch. Ohne das wäre Walker innerhalb von 24 Stunden wieder auf freiem Fuss. Trisha überlegte fieberhaft, wie sie diesen blöden Punkt organiseren könnte. So nah war sie ihren Träumen schon gekommen. Und was noch besser war, Jerry hatte ihr versichert, dass auch wenn es nicht reichen würde für eine Verhaftung, er dafür besorgt sein würde, dass sie zurück in die Schweiz zu ihren Verwandten in Basel kann. So oder so, sie würde nur die Gewinnerin sein. Jedoch ein Wehrmutstropfen hatte die ganze Sache. Durch diese Heirat ihrer Mutter hatte sie diese verloren. Trisha kam gar nicht mehr richtig an sie ran, sie wusste auch nicht wieso. Früher hatte das so gut funktioniert und jetzt? Wusste ihre Mutter überhaupt noch, dass es sie gab? Wo waren bloss die sogenannten guten alten Zeiten geblieben. Noch vor einem Jahr war ihre Welt perfekt, auch wenn sie es damals nicht so gesehen hatte. Und jetzt?
Sie war auf ihrem Weg ins Schlafzimmer, als sie plötzlich lautes Stimmengewirr aus dem Arbeitszimmer ihres Adoptive-Vates hörte. Jaja, jetzt wars offiziell und von nun an trug sie den Namen Walker offiziell. Komischerweise störte sie das wieder überhaupt nicht.
Die Stimmen wurden lauter und sie konnte ausmachen, dass ihr "Vater", Mike, Joe und Danny sicherlich mal in dieses Streitgespräch involviert waren. Sie schlich sich näher ran und verkroch sich hinter dem grossen Sessel neben der Wand. Ob das wohl was für Jerry wäre? Sie schaltete das Tonbandgerät ein. Was sie hier zu hören bekam waren sogar Ü-Punkte, sie konnte es nicht glauben. Ihr Ticket nach Hause hatte sie so gut wie in der Tasche. Plötzlich legte sich eine grosse Pranke auf ihre Schultern (Hand zu sagen wäre fast eine Beleidung gewesen) und zerrte sie aus ihrem Versteck. Dann wurde sie ins Arbeitszimmer geschleift.
"Schau mal Boss, wen ich drausser vor deinem Büro gefunden habe! So wie ich das sehe hat sie die ganze Konversation mitbekommen."
"So, wusst ich’s doch!" , wetterte ihr "Vater". "Du kleine Spionin, hast wohl geglaubt, dass du mich hintergehen könntest." Er liess ein hämisches Lachen los, obwohl das mit Lachen nicht mehr viel gemein hatte. Shit, Trisha steckte nun tief in der Scheisse. Ob die wohl das Mikrofon hier schon gefunden hatten? Wenn nicht, vielleicht würde Jerry oder Phil, sein Partner, dies mitbekommen und sie retten.
"Durchsucht sie und dann bringt sie zum besprochenen Ort. Solltet ihr was finden, durchsucht das ganze Haus nach weiteren Wanzen oder Abhörvorrichtungen. Ich werde in der Zwischenzeit zweite Flitterwochen mit meiner Frau machen." Purer Hass sprühte in Trisha’s Richtung. Carlos kam auf sie zu. Vor ihr blieb er stehen. Dann versetzte er ihr eine Ohrfeige, dass sie glaubte ihr Gebiss sei auf direktem Weg nach Timbuktu. Alles tat weh, und dann folgte gleich nomals eine, diesmal von der anderen Seite her.
Trisha hatte Angst, würde sie dieses Monster gleich hier umbringen? Ironischerweise ging ihr durch denn Kopf, dass Jerry dann wenigstens das Beweismaterial hätte, das er benötigt. Grob wurde sie wieder auf die Beine gestellt. Sie glaubte nahe der Ohnmacht zu sein. Trotzdem starrte sie ihrem "Vater" nach wie vor in die Augen, zumindest versuchte sie es.
"Darling?" Erica kam die Treppe runter. Plötzlich war es totenstill im Büro. Jemand hielt Trisha eine Hand über den Mund. Trish musste hier wegkommen, doch wie? Ihr Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Ein letzter hasserfüllter Blick von Carlos streifte sie. Sie spürte diesen mehr als sie ihn sah. Dann verliess Walker das Office.
Sie wurde wieder von hinten gepackt und jemand begann ihren Körper abzusuchen. Lass sie sie nicht finden. Bitte, lass sie sie nicht finden. Doch sie fanden sie. Dann wurde sie hochgehoben, über die Schultern geworfen und durch die Hintertüre zum Auto gebracht. Dort verfrachtete man sie auf den Rücksitz. Joe setzte sich ans Steuer, Danny neben ihn und Mike setzte sich zu Trish auf die Rückbank. Joe fuhr los. Jedoch nicht sehr weit. An der nächsten Hausecke wurden sie gestoppt. Der neue Nachbar schien ne riesige Panne mit seinem Auto zu haben, jedenfalls stand der Jaguar Quer über die Strasse und ein verweifelter Mr. Cotton schaute sich den Motor an. Erfreut, endlich jemand zu sehen winkte er heftig mit seinen Armen. Joe und Danny stiegen aus.
Dann ging alles sehr schnell. Plötzlich wurden Links und Rechts die Türen geöffnete, Trish wurde von Phil aus dem Auto gezerrt, während Mike auf der anderen Seite von einem weiteren Typen in den Schwitzkasten genommen wurde. Um Joe und Danny kümmerten sich Jerry und noch so ein unbekannter Typ.
Trish konnte es nicht glauben. War sie wirklich gerettet? Sie schaute Phil an, er hatte ein breites grinsen in seinem Gesicht wie immer wenn etwas nach Plan lief. Dann kam Jerry auf sie zu. Ohne ein Wort zu sagen nahm er sie in die Arme und hielt Trish einfach. Erst da merkte Trisha wie shaky sie eigentlich war. Die ganze Anspannung viel von ihr runter. Plötzlich merkte sie, dass sie weinte. Sie konnte wieder weinen.
"Jerry", sniffte sie, "meine Mami" , mehr konnte sie nicht sagen. Er strich ihr über den Kopf und ging vor ihr in die Knie, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein.
"Schau Kleine, noch können wir nichts machen, er ist immernoch zuhause und hat sich abgeschottet. Zuviel könnte passieren wenn wir das Haus jetzt stürmen. Wir müssen warten bis er sich auf den Weg bezüglich den erwähnten Flitterwochen begibt."
"Aber wir holen deine Mutter da raus, Trish, versprochen", bestätigte nun auch Phil. Dankbar schaute Trish vom einten zum anderen. Dann kam eine Dame in Uniform auf die drei zu.
"Mr. Cotton, Mr. Decker, ich werde mich vorläufig um die junge Lady hier kümmern" , begrüsste die junge Polizistin die drei und stellte sich ebenfalls noch vor. Trish wollte jedoch nicht von Jerrys und Phils Seite weichen. Irgendwie war ihr ungutes Gefühl immernoch nicht verschwunden. Auch Jerry liess sie höchst ungern in fremder Obhut zurück, doch nach einer kurzen Diskussion und viel Überredenskunst blieb Trish dann bei der Polizistin zurück.