Die Flucht

"Carlos, was ist los? Wo ist Trish? Wieso ist die Polizei hinter uns her?" Erica machte sich ernstlich sorgen, doch ihr Vertrauen in ihr Ehemann war immernoch unerschüttert. Sie konnte es einfach nicht glauben, dass er etwas illegales getan haben sollte. Jedoch ihr Unterbewusstsein sagte es ihr schon lange. Doch irgendwie verbrachte sie das letzte Jahr wie in Trance. Sie konnte es sich selber nicht erklären wieso. Nur Carlos zählte noch für sie. Sie nahm sich fest vor, nach diesen zweiten Flitterwochen wieder etwas mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. Sie musste sich eingestehen, dass sie sie in der letzten Monaten etwas vernachlässigt hatte. Aber es schien ihr ja gutzugehen. Komisch war nur, dass sie nie eine ihrer neuen Freunden mitbrachte. Auch das würde sich nach ihren Ferien ändern.

Carlos war in der Zwischenzeit soweit. Der Helikopter war startklar. Er und sein Leibwächter begannen das wenige Gepäck das schon vorab im Kofferraum verstaut worden war, umzuladen. Dieses kleine Miststück. All seine Pläne hatte sie ihm ruiniert. Doch er hatte ihre Mutter. Er wusste, solange er sie hatte war er in Sicherheit. Das FBI würde nichts unternehmen, um ihr Leben zu gefährden. Er musste nur endlich aus dieser Stadt raus, dann konnte er neue Pläne schmieden. Rachepläne. In seinen Augen erglomm ein gefährliches Funkeln.

"Carlos, ich möchte kurz Trisha anrufen und sie informieren, dass wir auf unserem Weg sind. Ich konnte mich gar nicht mehr von ihr verabschieden." "Schatz, das muss warten bis wir angekommen sind, wenn wir nicht jetzt fliegen, verpassen wir unseren Anschlussflug." Sie stiegen in den Hubschrauber. Carlos startete die Maschinen. Der Hubschrauber setzte sich in Bewegung. Der Leibwächter nahm seinen Sitz auf der Rückbank ein. Unauffällig begann er den Inhalt der schwarzen Kiste zusammenzusetzen. Nur so für alle Fälle.

Draussen begann ein hektisches Treiben. Die Scharfschützen luden ihre Magazine und nahmen die Schussposition ein. Jerry, Phil und Trish begaben sich zum Einsatzleiter.

"Nicht geschieht ohne meine Zustimmung", informierte Jerry ihn. "Er hat immernoch eine Geisel bei sich, sollte sich nicht eine sichere Gelegenheit ergeben, werden wir ihn wohl ziehen lassen müssen." Der Einsatzleiter nickte. "Die Sicherheit der Geisel hat oberste Priorität. Glauben Sie es ist möglich, den Hubschauber ausser gefecht zu setzen ohne sie abstürzen zu lassen?" "Ich werde sehen, was möglich ist." Er wandte sich wieder seinen Leuten zu und informierte die anderen via Kopfhörer über den Stand.

"Trish, es ist besser du begibst dich wieder zum Fahrzeug, ich möchte mich nicht auch noch über dich sorgen müssen. Phil und ich werden alles nur mögliche tun, um dir deine Mutter zurückzubringen." Trish lief zum Wagen. Ihre Nerven waren zum zerreissen gespannt. Kaum dort angekommen, hörte sie den Hubschrauber. Dann wurde das Tor zum Hangar geöffnet und der Helikopter flog heraus. Sie konnte ausmachen, dass ihre Mutter anscheinend noch wohlauf war, jedenfalls sass sie neben Carlos. Wo war der Gorilla Leibwächter wunderte sie sich. 2 Sekunden später wurde ihre Frage beantwortet. Die hintere Türe wurde geöffnet und sie konnte ihn erkennen.

Dann ging alles sehr schnell. Sie hörte nur noch, wie jemand schreiend auf sie zukam. Sie jedoch löste nicht den Blick von der Maschine. Der Helikopter flog genau auf sie zu. Nun konnte sie ihre Mutter ganz klar ausmachen. In diesem Moment hatte auch Erica ihre Tochter erblickt. Was geht hier ab? fragte sie sich. Sie schaute sie an und verstand nicht, was dieser entsetzte Blick auf dem Gesicht von Trisha sollte. Dann sah sie einen Mann auf Trisha zurennen, ein Knall ertönte, Trisha sackte zu boden. Geschockt wandte sie sich an Carlos. Ihre Frage jedoch wurde nie ausgesprochen. Ein weiterer Schuss ertönte. Dieser traf jedoch nicht wie geplant den Schützen vom ersten Schuss sondern endete im Benzintank des Hubschraubers. Dieser ging augenblicklich in einen Lichtball über, dann explodierte er.

Trisha lag am Boden, ihr Blick war immernoch auf ihre Mutter gerichtet. Zumindest dort wo sie noch vor ein paar Sekunden war. Entsetzen breitete sich in ihr aus. Auf einmal war Jerry über ihr und schütze ihren Körper vor den herumfliegenden Trümmerteilen des Helikopters. Dann umgab sie die angenehme Dunkelheit der Bewusstlosigkeit.