Die Zeit danach

Trisha wachte im Bett eines Spitals auf. Sie stand unter Schock. Immer wieder sah sie den Blick ihrer Mutter vor sich bevor es von den Flammen verdeckt wurde. Tränen kullerten ihre Wangen runter. Sie wollte nur noch sterben.

"Wie geht es ihr?"

"Soweit gut, die Schulterverletzung war nicht schlimm, der seelische Schaden jedoch ist gravierend."

"Kein Wunder. "Wissen Sie was jetzt mit ihr passieren wird?"

"Sie wird vermutlich in die Obhut des Staates kommen, schätze mal dass sie in ein Waisenhaus kommen wird."

"Aber sie hat doch noch Verwandte in der Schweiz. Kann sie nicht zu denen? Ich habs ihr versprochen."

"Das liegt nicht in meiner Macht, ich bin nur Arzt, würde aber auch meinen, dass für sie das am besten sei. Doch die Wege der Behörden sind unergründlich. Das müssten sie doch am besten wissen. Sie arbeiten ja für die."

"Ich werde sehen, was ich machen kann."

Trisha wurde aus dem Spital entlassen. Zwei Wochen waren in der Zwischenzeit vergangen. Sie war in eine Art Letargie verfallen in der sie niemand so recht an sie rankam. Ihr war alles egal geworden. Jerry und Phil haben sie praktisch jeden Tag besucht, sie hat das aber gar nicht wirklich wargenommen. Man hatte ihr mitgeteilt, dass sie bis zur Klärung ihres Falles in das städtische Waisenhaus kam. Sie hatte es schulterzuckend hingenommen. Man hatte ihr gesagt, dass sie nichts von ihrem früheren Leben mitnehmen könnte, das es unter Verschluss beim FBI sei. Auch hier hatte sie nur die Schultern gezuckt.

Jerry holte sie vom Spital ab. Er fühlte sich unendlich schuldig für das Disaster das passiert war. Er wusste, es war nicht sein Fehler, es war ein Zusammenspiel von unvorhersehbaren Aktionen. Er wollte ihr wenigsten jetzt beistehen, für sie hier sein, doch sie liess niemanden an sich ran. Man hatte ihre Familie informiert. Die Grossmutter von Trisha wollte rüberkommen, hatte sich aber kurz vor der Abreise bei einem Sturz verletzt und war bis auf weiteres nicht reisefähig. Der Bruder von Erica hatte schon seit langem keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, somit war es ihm egal, was aus seiner Nichte geschah. Die Tante von Trisha wollte kommen, sie sollte per Ende Woche eintreffen. Doch sie war alleine mit zwei Kleinkindern.

"Trish, komm, schauen wir uns dein neues Zuhause an." Trish lief hinter ihm her wie ein Roboter, folgte einfach, ohne Reaktion. Jerry versuchte ein paar Witze zu reissen, tat alles, einfach nur um ihr eine Reaktion abzuringen, einfach nur eine, irgendeine. Er blieb erfolglos. Man hatte ihm gesagt, er solle ihr Zeit lassen. Doch wieviel Zeit hatte ihm niemand sagen können.

Zwei Monate war es jetzt her seit Trish in dem Waisenhaus abgeliefert worden war. Langsam hatte sie sich an das Leben hier gewöhnt. Jerry kam sie mindestens einmal pro Woche besuchen, genauso Phil.

Sie war an der Beerdigung gewesen. Tonja, die Schwester von ihrer Mutter war auch gekommen. Es tat so gut wieder jemand Liebes zu sehen. Tonja hatte Fotos von ihrer Cousine Simone mitgebracht. Es war das erste Mal, dass sie sie gesehen hatte. Samuel war auch ein kleiner süsser Kindergärtner geworden. Tonja hatte ihr Anekdoten von ihren Cousins erzählt und es war das erste Mal seit langem gewesen, dass man wieder den Anflug eines lächelns auf Trisha’s Gesicht gesehen hatte.

Tonja würde sich um die Angelegenheit ihrer Mutter in der Schweiz kümmern. Da sie die Wohnung in Zürich behalten hatte sowie ihre Konten etc. gab es diesbezüglich noch einiges zu tun. Es war eine harte Zeit für die Schwester gewesen. Es war noch immer unklar, wie die Angelegenheit bezüglich des Sorgerechts war.

Nach 2 Wochen musste Tonja wieder nach Hause. Es schmerzte sie ihre Nichte ganz alleine in diesem fremden Land das ihr bis jetzt nur Kummer und Leid verursacht hatte, alleine zu lassen. Sie wusste aber auch, dass ihr nichts anderes übrig blieb. Und dieser Jerry und Phil schienen anständige Kerle zu sein, denen wirklich was am wohlergehen von Trisha lag.