Banküberfall
Scheisse, schon wieder am falschen Ort zur falschen Zeit. Dabei wollte Trisha nur etwas Geld von ihrem sonst schon schmälichen Konto abheben. Und genau in diesem Augenblick musste es einen Banküberfall geben. Naja, wie sie es in all den Jahren gelernt hatte, verhielt sie sich genau an die Anweisungen der Räuber. Diese fuchtelten wild mit ihren Waffen umher. Hoffentlich wissen die wie man solch ein Ding bedient, dachte sie bei sich. In dieser überfüllten Halle wäre jeder Fehlschuss fatal. Genau als die Übeltäter ihre Geiseln einigermassen unter Kontrolle hatten und anfingen, das Geld in die Taschen zu scheffeln, schrillte der Alarm los. Nochmals Scheisse! Das kommt nicht gut, jetzt nicht mehr. Trisha schielte um sich. Lauter ältere Leute und Hausfrauen. So langsam verlor auch sie ihre entwickelte Ruhe. Schon so oft musste sie erleben, dass nur ein falsches blinzeln eine Katastrophe auslösen konnte.
Schon hörte man draussen die Polizeisirenen läuten. Es handelte sich nur noch um eine Frage von einer Minute und die Bank war hermetisch abgeriegelt. Dies würde bedeuten, entweder harren die Räuber aus, bis ihre Forderungen ausgeführt werden, sie fliehen sofort, die Polizei stürmt die Bank oder die Diebe nehmen Geiseln und erkämpfen sich so ihre Freiheit. Keine der 4 Varianten entsprach ihrem Geschmack.
„Zack, lass uns gehen!“ hörte sie den Einten dem Anderen zurufen. „Nur noch diesen Schalter Lonny und dann haben wirs, schliesslich ist es unsere Pension, das weißt du doch!“ Trisha konnte sein grinsen förmlich auf ihrer Haut spüren. Sämtliche ihrer Sinne schlugen Alarm. „Nimm dir eine Geisel“, sagte der mit Zeck angesprochene zum Anderen. Dieser schaute sich um und ergriff eine ältere Dame, die jetzt schon beinahe eine Herzattacke erlitt. Trisha fühlte sich erlöst, vielleicht würde sie dieses Erreignis für einmal ohne weiteren Schaden überleben. Der andere Typ stand ja praktisch am anderen Ende der Bankhalle. Somit würde er sich sicherlich jemanden aus dieser Region suchen, sofern er überhaupt auch noch eine Geisel nahm. Vielleicht war sie in ein paar Stunden doch wieder auf der Strasse, unterwegs nach... Ja wohin eigentlich. Na wohin der erst beste Bus fährt, dachte sie bei sich.
Plötzlich schrie jemand neben ihr auf und zog somit die Aufmerksamkeit der Übeltäter auf sich. Trish verdrehte die Augen, das durfte doch wohl nicht wahr sein. Hallo?!? Klappe halten!! Schimpfte sie innerlich die Person neben ihr an.
Zack kam in ihre Richtung. Neben dem schreienden Mann, oder war es eine Frau, sogenau konnte Trish das nicht ausmachen, blieb er stehen und zog die Person am Kragen des Massanzuges hoch. Also doch ein Mann, tstststs, hatte der noch nie ein Banküberfalltraining absolviert und wusste wie man sich in solch einer Situation ganz sicherlich nicht verhält? Trottel. Der Massanzugstyp wurde vom Bankräuber weggezerrt. Trish musste sich extrem ein Lachen verkneifen. Spinnte sie jetzt komplett? Doch würde man sich die Situation anders vorstellen, so ohne Gun etc. wäre die Situationskomik einfach unschlagbar. Da wurde dieser kleine Schreihals vom Bankräuber weggezerrt, und da dieser eine stattliche Figur hatte, die ihm unter normalen Umständen sicherlich einen zweiten Blick von ihr geschenkt bekommen hätte und der Massanzugtyp nur ca knappe 1.60 gross war, hatte Trisha unweigerlich diverse verschieden Comicsituationen vor ihrem geistigen Auge und wenn sie das richtig roch hatte sich der Massanzugstyp gerade in die Hose gemacht. Es fiel ihr wirklich sehr schwer, nicht die Beherrschung zu verlieren. ‚Ich glaub ich muss auch nomals so ein Geiseltraining absolvieren’ , dachte sie bei sich, ‚viel schlauer als dieser Typ verhalte ich mich jetzt auch nicht, obwohl ich mich ja völlig unauffällig verhalten wollte.’
Trotz ihrer auferlegten Selbstbeherrung entfuhr ihr ein leichter Grunzton. Dieses Geräusch reichte aus, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Bankräuber stiess den Typen wieder auf den Boden und näherte sich Trish. ‚Somit wäre mein Busproblem gelöst’ , war der einzige Gedanke der Trisha nun durch den Kopf fuhr.
„Ist hier was lustig?“ wurde sie von Zack angesprochen. Sie hielt den Kopf nach wie vor Richtung Boden gesenkt. „Hey, ich sprech mit dir! Du scheinst ja das ganze Recht amüsant zu finden!“ Trish schaute immernoch nicht auf. Vielleicht wenn sie ihn ignorierte würde er sie in Ruhe lassen. Was für ein Wunschdenken.
„Zack, wir müssen gehen, da kommen immer mehr Bullen. Wenn wir nicht sofort verschwinden.....!“ „Ich komme! Und du kommst mit mir“ , sagte er zu Trish und zog sie vom Boden hoch. „Wir haben da noch was auszudiskutieren!“ Sie hätte sich ohrfeigen können. So close, aber nein, sie musste sich wie schon so oft direkt mitten hinein ins Geschehen manövrieren. Würde sie es denn nie lernen. Der mit Zack angesprochene Bankräuber schleifte sie zu seinem Komplizen. “Pass mir kurz auf die auf, ich hole nur schnell das Geld. Dann verschwinden wir wie geplant.“ Kurz darauf kam er mit den Geldsäcken zurück.
„So, meine verehrten Herrschaften, wenn sie jetzt bitte alle aufstehen mögen. Es wird Zeit dass wir dieses Gebäude verlassen.“ Die von ihm bezweckte Massenhysterie wurde ohne Probleme von den Leuten ausgeführt. Somit war es ein leichtes von den Bankräubern, ihren Fluchtplan auszuführen. Niemand beachtete sie in diesem Getummel von Menschen, welche aus der Bank gerannt kamen. Und die Polize war machtlos, irgendwas gegen die Verbrecher zu unternehmen, solange soviele Unschuldige sich in ihrer Nähe befanden.
Es waren Vollprofis und bei der Polizei bestens bekannt als schwere und rücksichtslose Verbrecher. Sie würden ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen gehen. Die Polizei musste hilflos mitansehen, wie sich diese Typen aus dem Staub machten und diese zwei Geiseln mit sich schleppten. Sie wussten, die Chance die Opfer lebend wieder zu sehen waren gleich Null. Das einzige was ihnen blieb war beten und vielleicht, wenn sie es geschickt anstellten, konnten sie die beiden Brüder auf ihrer Flucht aufhalten. Sie vermuteten, dass sich die zwei nach Mexico absetzten würden. Somit mussten Strassensperren und verschäfte Kontrollen an den Grenzübergängen aufgestellt werden. Das war das einzige was in der Macht der Polizei lag, wollten sie die Geiseln lebend wiedersehen.