Marie
Trisha ärgerte sich masslos über ihren Faut-pas den sie in der Bank begangen hatte. Wieso schaffte sie es immer wieder, sich mitten in die Probleme hineinzumanövrieren. Was hatte sie an sich, dass es immer wieder sie erwischte. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren. Irgendwie würde sie es schon wieder aus dieser Situation retten können, hoffte Trish.
Sie versuchte es sich einigermassen bequem zu machen im Kofferraum des gestohlenen Autos. Dies war jedoch nicht leicht in Anbetracht dass sie zusammen mit ihrer Mitgeisel einfach hineingestossen worden war. Ihre Mitgefangene war jedoch schlimmer dran. So sarkastisch es auch tönen mag, sie war sich solche Situationen ja in der Zwischenzeit gewöhnt, die andere Frau tat ihr jedoch leid und sie hoffte bloss, dass sie nicht vorzeitig an einem Herzinfarkt oder ähnlichem starb. „Ms, alles ok?“ Blöde Frage. „Meinen sie dass wir hier in dieser Situation etwas zusammenspielen können? Wenn wir nämlich jeder an die Aussenseite des Kofferraums rücken, könnten wir für uns beide etwas mehr Platz herausholen und somit wenigstens vorbeugen, dass unsere Beine und Arme einschlafen. Nur so für den Fall, dass eine schnelle Flucht nötig sein sollte.“
Die ältere Frau schaute sie an, wimmerte kurz, tat jedoch ihr möglichstes um das von Trish gewünschte auszuführen. Trish ihrerseits rückte so gut es ging gegen die Rücksitze des Autos oder das was sie zumindest dafür hielt. So geht es doch schon besser. Zum Glück waren die amerikanischen Autos alles Riesenschiffe.
„Ms, sonst ist mit ihnen alles klar? Wurden sie irgendwie verletzt?“ Die Frau antwortete wieder mit einem Wimmern. „Ms, haben sie auch einen Namen? Ich heisse Trish.“ „Marie“ „Freut mich sie kennenzulernen. Ich weiss, die Situation ist furchtbar, aber wenn wir uns genau an die Anweisungen der Verbrecher halten, haben wir eventuell eine Chance hier wieder lebend herauszukommen.“ Trish redete weiter und weiter auf die Frau ein, da sie merke, dass Marie sich langsam zu beruhigen schien. Und ruhige Nerven waren in solch einer Situation lebensrettend.
Auf einmal stoppte der Wagen apruppt und Trish stiess sich den Kopf an irgendetwas. Schmerz schoss durch ihren Körper, der sie für kurze Zeit wie besinnungslos erstarren liess. ‚Anscheinend sind wir an unserem Ziel angekommen‘ dachte sie bei sich, da der Motor abgesellt worden war. Immernoch fühlte sie sich wie benebelt. Wieso jetzt?! Schon wieder fluchte sie innerlich. ‚Ich glaub ich muss mal an meinem Umgangston arbeiten‘. Wieso sie in diesen Situationen nie den Sinn für Humor, oder war es Sarkasmus, verlor war ihr unerklärlich. Immerhin konnte sie mit ihrem Humor Marie beruhigen, welche jetzt wie schlafend im Kofferraum neben ihr lag.
Plötzlich wurde der Kofferraumdecke geöffnet und das helle Tageslicht blendete Trish wodurch ihr für einen Moment das Sehvermögen geraubt wurde. Sie bekam nur mit, wie Marie von einem der beiden aus dem Kofferraum gezerrt wurde. „Hey, geht das nicht etwas netter!!“ fuhr sie den Gangster an. Dieser schaute sie kurz verblüfft an, zerrte Marie dann aber unbeirrt weiter. Jetzt war sie an der Reihe. „Danke, ich kann das selber“. „Scheinst ein bisschen zusehr auf deinem hohen Ross zu sitzen“ erwiederte Zack, doch galanterweise half er ihr einigermassen würdevoll aus dem Kofferraum. Trish stellte fest, dass sie irgendwo in einem Motel gehalten hatten. „Lasst ihr uns jetzt gehen, scheint ja keine Bullen mehr hier zu haben.“ „Dream on, erst wenn wir es über die Grenze nach Mexico geschafft haben, könnten wir allfällig so kulant sein und euch gehen lassen, vorher nicht.“ Na immerhin hatte sie es probiert. Fest am Arm gepackt zerrte Zack sie in den Raum, in welchem sich Marie und Lonny befanden. Lonny stiess Marie aufs Sofa, wobei diese beinahe über den einen Geldsack gefallen wäre. Zack stiess Trisha Richtung Stuhl.
„Lonny, pass mir gut auf die beiden auf, ich gehe uns einen neuen fahrbaren Untersatz suchen.“ „Klar Zack, kein Problem. Ich glaube nicht, dass mir mit diesen beiden hier langweilig werden wird.“ Zack schaute Lonny an und zerrte ihn in den Raum nebenan, in dem sich der Schlafraum befand. Was genau die beiden dort besprachen konnte Trish nicht ausmachen. Auch Marie schaute den beiden hinterher, doch sie war noch weiter von den beiden weg als Trisha. ‚Na wenn die beiden noch länger im anderen Raum sind, vielleicht...‘ „Denk nicht mal daran!“ Zack stand vor ihr. Wo kam er denn so plötzlich her.
„Ladies, wie ihr mitbekommen habt, muss ich nochmals kurz weg, schliesslich wollen wir alle heute abend nicht mit leerem Magen schlafen gehen. Ich möchte euch bitten, während meiner Abwesenheit meinem Bruder keine Scherereien zu verursachen und genau das zu tun was er sagt.“ Erst schaute er Marie an, welche zögerlich nickte. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit Trish zu. Diese schaute ihn trotzig an. Er ging noch näher auf sie zu, beugte sich zu ihr nieder und flüsterte in ihr Ohr „Missy, ich wiederhole mich ungern zweimal, also sollten seitens meines Bruders irgendwelche Beschwerden über dein Benehmen kommen wirst du dies noch bitter bereuen. Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen. Ausserdem wäre es schade sollte dir was passieren, wir haben schliesslich immernoch eine Pendenz offen.“
Zwei zu eins. Das sollte doch zu meistern sein. Trishs Gedanken rasten in Lichtgeschwindigkeit durch ihren Kopf. Auf der anderen Seite, wenn sie Marie so ansah, waren ihre Chancen nicht sehr hoch. Wie apatisch sass sie auf diesem Sofa, harrte der Dinge die da kommen wollten. Vermutlich würde sie sich aus lauter Angst nicht gegen Zacks Anweisung wenden. Irgendwie verständlich, doch um Lebend aus dieser Situation zu kommen mussten sie etwas unternehmen. Und zwar jetzt.
Lonny schien nicht viel von der momentanen Lage zu halten. Gedankenverloren spielte er mit seiner Pistole herum. ‚Warum musste ihn Zack immerso zurechtweisen? Er war schliesslich alt genug um seine eigenen Entscheidungen zu fällen. Wieso hatte ihm Zack verboten, mit den beiden Frauen seinen Spass zu haben.‘ Wieder versuchte er ein Kunststück mit seiner Pistole vorzuführen. ‚Moment mal, Zack hat doch immer nur von dieser jungen Frau gesprochen, die ältere hat er nicht erwähnt.‘ In Lonnys Kopf begann sich eine seiner perversen Fantasien zusammenzubrauen.
Trish merkte genau wie sich die Stimmung von Lonny geändert hatte. Ob dies jedoch zu ihrem Vor- oder Nachteil war, konnte sie nicht deuten. Sie versuchte Marie irgendwie auf sich aufmerksam zu machen, doch diese sass immernoch wie paralysiert auf der Couch. Dann kam Leben in Lonny. Schnell verschwand er in das Schlafzimmer. Trish sprang auf, jetzt oder nie, und rannte zur Türe. Krampfhaft versuchte sie den Riegel aufzuschliessen, als sie von Lonny zurückgezogen wurde. Sie versuchte ihn zu treten, zu beissen, doch nichts half. Er war einfach stärker als sie, auch wenn er im ersten Moment nicht danach aussah. Lonny verpasste ihr zwei Ohrfeigen und zerrte sie an ihren Haaren zurück zum Stuhl. Trish versuchte sich immernoch zu wehren. Durch die Ohrfeigen jedoch beträchtlich benommen, waren ihre Schläge eher unkontrolliert und planlos. Lonny verpasste ihr nochmals eine Ohrfeige, stiess sie zu Boden und begann die mitgebrachten Handschellen sowie die Seile hervorzuziehen. Laut fluchend und sie anschreiend zog er sie an den Haaren wieder hoch und platzierte sie auf den Stuhl. Aus reiner Freude schlug er noch ein-/zweimal zu. Dann begann er Trish an den Stuhl zu fesseln. Trishs Kopf dröhnte und sie kämpfte gegen den Schmerz und die Ohnmacht. Jetzt war alles verloren. Noch einmal versuchte sie sich aufzubäumen doch Lonny hatte sie zwischenzeitlich gut verschnürrt und lachte sie hämisch an. „So, jetzt bin ich gespannt was Zack mit dir anstellen wird. Ich wüsste es!“ Sein Gesicht wurde durch eine hässliche Fratze entstellt, die Trisha nichts gutes ahnen liess. Sie schaute zu Marie hinüber, die das Ganze mit einer stoischen Ruhe mitverfolgt hatte. Begriff sie denn gar nichts?! Dann versetzte ihr Lonny einen Schlag mit der Pistole und um Trisha wurde es schwarz.